Die 1950er‑Jahre markieren die eigentliche Geburts- und Aufbauphase des THW‑Ortsverbands Recklinghausen – eine Zeit, in der aus ersten engagierten Helfern eine feste Organisation wurde. Kurz nach der bundesweiten Gründung des Technischen Hilfswerks entstand 1951 einer der ersten Ortsverbände in Nordrhein‑Westfalen. Unter der Führung der „Kameraden der ersten Stunde“ entwickelte sich Recklinghausen schnell zu einem wichtigen Stützpunkt in der Region. Der Ortsverband unterstützte auch beim Aufbau weiterer THW‑Standorte. 

 

Die Gründungsjahre des THW und des Ortsverbandes Recklinghausen

 

Am 22. August 1950 wurde der Grundstein für das heutige Technische Hilfswerk gelegt. An diesem Tag vereinbarten Bundesinnenminister Gustav Heinemann und Otto Lummitzsch die Aufstellung eines zivilen Ordnungsdienstes. Lummitzsch, Gründer der Technischen Nothilfe (TN) in der Weimarer Republik, schuf damit die organisatorische Basis für den modernen technischen Bevölkerungsschutz in Deutschland.

Die Entstehung des Ortsverbandes Recklinghausen

Das genaue Gründungsdatum des Ortsverbandes Recklinghausen lässt sich heute nicht mehr eindeutig bestimmen. Hinweise aus Zeitungsartikeln von 1962 und 1973 deuten jedoch darauf hin, dass der Ortsverband bereits um 1950/51 entstand. Der Landesverband legte das offizielle Gründungsdatum auf den 1. Januar 1951 fest, dokumentiert durch eine Urkunde zum 25‑jährigen Bestehen im Jahr 1976. Damit zählt Recklinghausen zu den ersten THW‑Ortsverbänden in Nordrhein‑Westfalen. Als Mitbegründer wird in frühen Unterlagen Wenzel Adolphi genannt.

Josef Pertz ist die treibende Kraft für den Bevölkerungsschutz in Recklinghausen in den Nachkriegsjahren

Über die ersten Helfer ist nur wenig überliefert. Frauen waren zu dieser Zeit noch nicht zum Dienst zugelassen. Besonders hervorzuheben ist Josef Pertz, Geschäftsführer des Ortsverbandes und ehemaliger Mitarbeiter der Technischen Nothilfe. Er war ab 1950 maßgeblich an der Gewinnung von Freiwilligen beteiligt und prägte den Aufbau des Bevölkerungsschutzes im Kreis Recklinghausen entscheidend. Unter seiner Leitung entstanden weitere Ortsverbände in Gelsenkirchen, Dorsten, Marl und Haltern.

Zu den frühen Helfern gehörten unter anderem Raimund Greskowiak und Karl Ketterl. Die Helferwerbung gestaltete sich nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs schwierig, doch fanden sich engagierte Männer, die bereit waren, ihre Freizeit in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen.

1951 – Amtszeit von August Dörnemann

August Dörnemann war der erste Ortsbeauftragte des Technischen Hilfswerks in Recklinghausen. Von 1951 bis 1965 leitete er den jungen Ortsverband in einer Zeit, die stark vom Aufbau des Zivil- und Katastrophenschutzes in der Bundesrepublik geprägt war. Als Inhaber einer ortsansässigen Elektrofirma brachte er nicht nur fachliche Kompetenz, sondern auch organisatorisches Geschick und unternehmerische Erfahrung in seine Tätigkeit ein.

Die ersten Unterkünfte und Arbeitsbedingungen

Die ersten Schritte des Ortsverbandes erfolgten unter einfachen Bedingungen. Zunächst standen zwei Räume im Polizeipräsidium Recklinghausen zur Verfügung, die als Geschäftsstelle und Ausbildungsstätte dienten. Bereits wenige Monate später zog der Ortsverband in eine alte Kartoffellagerhalle an der Blitzkuhlenstraße 97 um. Die Halle befand sich im Eigentum des Bundes und wurde in Eigenleistung für die Zwecke des THW hergerichtet – trotz spärlicher finanzieller Mittel und der ungewöhnlichen Nachbarschaft zu einer Fischräucherei. Die Geschäftsstelle blieb rund 15 Jahre im Polizeipräsidium untergebracht.

Die Ausstattung war minimal: Die Geschäftsstelle verfügte lediglich über ein Bundesfahrrad, und für die Ausbildung standen nur einfache Werkzeuge und Bindeleinen zur Verfügung.

Erste Einsätze und Übungen

Ein bedeutender Entwicklungsschub erfolgte 1953 im Zuge der schweren Sturmflut in den Niederlanden. Der Einsatz markierte den ersten Auslandseinsatz des THW und führte auch Helfer aus Recklinghausen ins Katastrophengebiet. Bereits in den frühen Jahren organisierte der Ortsverband großangelegte Übungen, darunter eine mit rund 300 Beteiligten, die den hohen Ausbildungsstand und die Einsatzbereitschaft der Helfer eindrucksvoll belegte.

Im regionalen Bereich übernahm das THW zunächst Brandwachen in der Haard und der Hohen Mark. Später folgten Einsätze bei Waldbränden, Sturmtiefs und Hochwasserlagen. Besonders in Erinnerung blieb der Einsatz bei schweren Sturmschäden sowie bei der Gasexplosion im Kindergarten des Ortsteils Grullbad.